Madagaskar. Auf geht’s.

#Madagaskar16 | Tag 01 | 17.10.2016 | Wien – Istanbul

Mit meinen neuen Spürsinn Schuhen von Dachstein wär die Krot noch am Leben. I sag’s gleich: i war’s ned!

Gebucht hab ich diese Reise vor dem 15. Juli 2016. Frag mich grad – während ich in der heißen Sauna sitze – zweifach: erstens – hätte ich auch nach dem Putsch und den darauf folgenden, zigtausenden Verhaftungen den Flug bei Turkish Airways via Istanbul gebucht? Und – zweitens: wieso funktioniert mein iPhone bei 80Grad Celsius?

Sauna – so kurz vor dem Transfer zum Flughafen, weil ich verkühlt bin. Die vergangenen 48 Stunden waren für mich Schüttelfrost, Heissesieben und Ausschlafen. Dreitausend Taschentücher und Parkemed nicht zu vergessen. Heute Abend fliegen wir ab. Von Wien nach Madagaskar.

Antananarivo heißt die Hauptstadt. Tropisch heiß, leicht europäisch und laut online Warnungen des österreichischen Außenministeriums voller krimineller Gefahren. Bei Dunkelheit nicht raus gehen, bei Überfällen freiwillig alles her geben, deshalb nur wenig Werte mir sich herum tragen. Wenn schon brutal ausgeraubt werden, dann sparsam. Das leuchtet mir ein. Mit englisch kommst nicht weit, Gott sei dank hab ich sehr kommunikative Hände und Füße mit. Dann geht’s im Inland weiter – in den Norden, in die wilde Natur. Den Dschungel und an die Meeresküste: Urwald und Korallenriffe, Affen und Wale, Berge und Tiefgänge.

Mein Freund Andy Holzer ist wieder mal für dieses Abenteuer verantwortlich. Er reist jedes Jahr mit Life Earth Reisen – auch weil es ein großes Benefizprojekt ist. Mit dem Reinerlös der Tour werden jedes Jahr dutzende Menschen in der „Dritten Welt“ an den Augen operiert – und wieder sehend gemacht. Das ist für den von Geburt an blinden Andy und uns alle natürlich doppelt motivierend. Ein Blinder motiviert etwa zwanzig Menschen zu einer Abenteuerreise, öffnet uns Sehenden dabei die Augen – und wir helfen zugleich, dass viele andere Blinde sehend gemacht werden. Eine typische win-win-win Beziehung.

Roger, den wir ja schon von der Antarktis-Tour kennen, ist wieder dabei. Wir haben uns seither nicht mehr getroffen, freu mich schon. Alle kommen wir heute Nacht in Istanbul zusammen. Dort, in der Stadt, wo wir schon seit einigen Wochen nicht mehr daran denken, was im Juli und den Tagen danach dort passierte.

Unsere Wohlstandsempörung brauste in gewohnter Weise für zwei Wochen hoch, wir pudelten uns auf, posteten gegen Erdogan und die Missachtung der Menschenrechte. Zigtausende hinter Gitter. Frechheit. Mittlerweile trinken Erdogan und Putin Chai und Wodka, fokussieren ihre Armeen auf gemeinsame Wirtschaftsgegner und feiern die Türkisch-Russische Gaspipeline. Vergessen, die Wickel wegen dem einen Jet. Das waren die Putschisten, also gemeinsame Feinde.

Naja. So ist das halt. Flüchtlinge kommen seit Monaten auch kaum noch welche zu uns, die Medien bringen derzeit eher News zu überraschenden Selbstmorden von verhinderten Selbstmordattentätern. Oder über unappetitlich zerfetze Bombenopfer in Aleppo. Oder über frauenverachtend rülpsende, präsidentengeile Testosteronaffen. Also werde ich heute, fast auf den Tag genau nur drei Monate danach für ein paar Stunden in Istanbul sein. Dort gibt’s sicher gutes Baklava…

Mein iPhone wechselte natürlich längst in den „Hitzeschutz-Modus“ – nach gemeinsamer Abkühlpause im Freien geht’s jetzt wieder. Bevor ich mir einen zweiten, heilsamen Aufguss geb, poste ich also den ersten Eintrag. Mich reißt die Reise aus der Hauptsaison des Coachings – zuletzt war ich fast täglich in Teambuildings, Workshops und Im Wald. Hab zwei leere Notizbücher mit, wenn’s gelingt wie ich es mir ausmale, werde ich ein paar neue Lieder schreiben…

Freu mich, wenn ihr nach meinen Reisen in die Antarktis und zuletzt nach Hongkong wieder dabei seid – wenn wir für zwei Wochen Madagaskar erkunden. Diesmal hab ich kaum Bilder, was uns erwartet. Jedoch steht eines fest: Andy hat wieder seinen Kurzwellenfunk dabei – und ich bin sein Assistent.

Unser Ziel: Kommunikation nach Europa. Weltumspannend – aus eigener Kraft.

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