Der Einzige, der Eine, der Erlöser.

Da sitz ich, am Naschmarkt in Wien, bei meinem Lieblingstürken, trinke Chai und schwitze. Neben mir zwei Frauen mit Kopftuch. Ein schreiendes Baby. Das Baby schreit aber nicht in türkischer Sprache, es schreit. Einfach so. Das Baby spricht meine Sprache.

Was mich seit der aktuellen FPÖ HC Werbekampagne beschäftigt: Ist er vielleicht wirklich „Der EINZIGE, der UNSERE Sprache spricht.“? Der einzige Politiker in diesem Land, der das so zur Sprache bringt, was die ängstlichen „uns geht’s selber schlecht, die anderen sollen sich selber helfen“ Menschen in diesem Land wirklich beschäftigt?

Ob es mir recht ist oder nicht: etwa ein Drittel aller Wahlberechtigten reagieren darauf mit einem „Ja“. Ob es mir recht ist oder nicht: Sehr viele Menschen in diesem Land sind der Meinung, dass sie selbst die Armen sind, auf die sich der Staat konzentrieren soll. Ob es mir recht ist oder nicht: Angst, Wut und Schmerz sind da, bei ganz vielen ÖsterreicherInnen. Ob es mir recht ist oder nicht: Auch ich bin sowas von sauer, wütend und enttäuscht, wenn ein Land derartig dilettantisch unser Steuergled verbrennt, die Enkeltauglichkeit unseres Landes ruiniert hat. #Hypo – mehr sag ich nicht.

Und – das ist mir definitiv unrecht – Freude, Vision, Zuversicht, Selbstbewusstsein und Eigenverantwortung sind für eine wahrscheinlich sogar Mehrheit in diesem Land Fremdwörter. Quer durch die Milieus höre ich dieses „Uns geht’s selber schlecht, die Ausländer nutzen unser Sozialsystem nur aus.“ Kein Tag vergeht, an dem ich nicht den einen Satz – beginnend mit „Ich hab ja nichts gegen Ausländer, aber…“ – höre. Aber. Also doch. Ordnung muss sein. Alles außer Freude, Dankbarkeit, Solidarität und Weltoffenheit.

Quer durch alle Milieus gibt’s kaum Visionäre, Menschen die mit Mut und Zorn umgestalten, den dummen, veralterten Systemen zukunftsfähige Modelle entgegenstellen. Ein paar wenige, großartige kenne ich. Ja. „Social Entrepreneurship“ heißt das dann, als ob es etwas besonderes wäre, nicht wie ein Arschloch zu wirtschaften. Sich für Arme und Randgruppen zu engagieren. Das ist so krank: wenn das Gesunde, das Menschliche zur exotischen Ausnahme wurde. Nachhaltigkeit ist nichts Besonders. Es ist nur das „Beenden von Arschloch sein“…

Der Einzige. Also kein zweiter in diesem Land, der Millionen BürgerInnen versteht. Der unsere Sprache spricht. Der fähig ist, zu benennen, was so viele betrifft. Ich kann dich nur dort abholen, dir nur dort begegnen, wo du bist. Ob mir das recht ist oder nicht: Nur dort treffe ich dich. Wenn ein Drittel drinnen ist, in seiner Angstwelt, in der Opferrolle, in der Ohnmacht – dann kann ich sie nur dort, in ihrer Welt, ansprechen. Mit Gutmenschengeplapper bin ich zwar korrekt auf der sicheren Seite, ich könnt meine logischen, intellektuell präzisen und für Hund, Katz, Mann, Frau und Land achtsam gegenderten Worte auch in ein Sackerl reden. Ala „nimm ein Sackerl für mein Gackerl“… Es kommt nicht an. Der in seiner ängstlichen Opferwelt lebende Wähler hört das nicht mal – und wenn er es hört, fühlt er sich das Gegenteil von verstanden: Nämlich unverstanden, um nicht gleich verarscht zu sagen.

Wenn an einem Nachmittag 800 Menschen im Mittelmehr elendig sterben, schürt das primär unsere Ängste. Nicht unsere Visionskraft und Zuversicht. Da können wir tausendfach sagen, dass es unerträglich ist. Es kommt nicht an. Was wirkt ist, der Trieb, sich selbst davor zu schützen. Und weil kein einziger Pflichtschüler in diesem Land in der PFLICHTschule gelernt hat, wie die großen Zusammenhänge der Menschheit so sind, dass mein Bio Erdbeerjoghurt Kauf einen Einfluss auf die Kriege der Welt hat, deshalb ist die zwar dumme, aber nachvollziehbare Einigelungstaktik ala „ich hab selbst so viel mit mir zu tun, die anderen sollen sich schleichen“ bei ganz vielen von uns da. Und in diesem Zustand verstehe ich nur die Sprache, die genauso primitiv wie mein Zustand ist.

Wo sind sie, die mutmachenden, klugen, liebevollen, Vorbilder? Menschen die UNSERE SPRACHE sprechen. Die Sprache des Herzens. Die Sprache der Ängste. Uns dort abholen, wo wir sind. Und uns führen. Jemand – noch besser eine Gruppe von Männern, Frauen und Kindern – der genug Courage besitzt um zu benennen, was ist. Es ist „Arsch auf Grundeis“! Dringendst an der Zeit, Österreich aus der Starre herauszuführen. Zuerst mal rein in die Krise – und dann erneuert wieder raus. Dazu braucht’s die berühmten Eier, die Bereitschaft zu Scheitern – und vor allem: Die Spirituelle Dimension. Mit Excelltabelle, Hierarchie, Systembewahrung und Gutmenschgeplapper geht das nicht. Österreich ist frei. Dafür.

Und Gott sei Dank, lieber HC: Du musst das nicht alles alleine schaffen. Einen allein Einzigen hatten wir schon. Frag mal deine Channelingtante…

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