Dezentrale Vor-Lesung. Aus dem neuen Buch »Texte die was keine Lieder geworden sind.«


Gemeinsam mit meinem Lebensfreund – dem erfahrenen visuellen Gestalter Clemens Schedler – ist mein drittes Buch so gut wie fertig. Es wurde ein poetisches Werk, eingebettet in eine kraftvolle und zugleich stille Welt der Gestaltung. Grosse Freude auch über die Partnerschaft mit dem wiener Goldegg Verlag, endlich fanden Elmar Weixlbaumer und ich ein gemeinsames Projekt und somit den Einstieg in eine hoffentlich lebenslange Kooperation.

Seit drei Jahren habe ich kontinuierlich geschrieben, mich immer wieder still an meine 1936er Schreibmaschine gesetzt und gewartet was kommt. Was mich durchflutet. Es war die Zeit, als in Österreich die braunen Wunden aufplatzten, als ein Norbert Hofer einen verleumderischen und hetzerischen Bundespräsidenten-Wahlkampf führte, die Zeit, als Sebastian Kurz mit seinen manipulativen Strategien Schritt für Schritt an die Macht kam. Es war jedoch auch die Zeit nach der von der Zen Meisterin Anna Gamma durchgeführten »Heilungs- und Versöhnungsreise an die Orte der nationalsozialistischen Verbrechen in Österreich« – es war die Zeit nach dem »Spiegelgrund« – nach meiner Erfahrung von tiefer Trauer und Solidarität mit den dort ermordeten Kindern.

Es war die Zeit, in der ich keine Lieder schrieb. »Wenn du in lauten Zeiten gehört werden willst, musst du still sein.« – das war mein Satz, das war meine Erklärung, warum ich nicht mehr mit Band auf die Bühnen wollte. Warum ich begann, meine Texte zu lesen statt zu singen.

Es war auch die Zeit, In der meine Söhne Lukas und David das Haus verlassen haben, sich auf eigene Beine gestellt haben – und ich ihnen ein guter Helfer und Begleiter in das Eigene war.  Es war auch die Zeit, in der ich meine Heimat gefunden habe, in der Liebe und hier im Burgenland, am Nordufer des Neusiedlersees. In meinem Haus, in meinem Garten. Weit genug weg von meiner Herkunft, meiner Kindheit. Ein Abstand der mir gut tut, mich atmen lässt, mich mit mir lässt.

Dieses Buch ist ein Buch über meine Erfahrungen der Kindheit, über Adolf Hitlers Leben, über die Morde der Nazis ebenso wie über die Schläge »Der ihre Kinder doch über alles liebende Eltern« der Nachkriegszeit. Irgendwie ist die Nachkriegszeit auch immer zugleich die Vorkriegszeit. Es ist ein Buch über den Alltag in Reihenhaussiedlungen, über den gefährlichen Populismus der Gegenwart ebenso wie über die heilende Kraft der Freundschaft und der Selbstermächtigung.

Am 29. November lese ich in dezentraler Lage und ins kleinem Kreis aus meinem neuen Buch und auch andere Texte, die offizielle Buchpräsentation ist für Anfang 2020 geplant.

 

Dezentrale Lesung// T.A. Beck