Presseinformation zum Buch »Texte die was keine Lieder geworden sind.«

Texte die was keine Lieder geworden sind.

»Seine sowieso intensiven und nicht alltäglichen Texte erhalten dadurch eine weitere Tiefe und man kann dieses Album eigentlich als Hörbuch im besten Sinne « (Pop Info Österreich)

»Seine Stimme erinnert an den unvergesslichen Ludwig Hirsch, seine Kompositionen sind ähnlich düster reduziert, seine Texte eindringlich und klug.« (Film, Sound und Media)

Ein Lyrikbuch der anderen Art. Eindringlich, schonungslos – am Ende mit Hoffnung und 20 Regeln zum Glück.

Die obigen Zitate spannen das Koordinatensystem für das neue Buch von Thomas Andreas Beck auf: „Texte die was keine Lieder geworden sind. 20 Regeln zum Glück“. Denn wie einst die Dichter der Antike, die auch Sänger waren, deckt Beck in seinem kreativen Schaffen Text und Musik gleichwertig ab – manche Texte werden nicht vertont und finden sich in diesem Buch wieder, andere werden zu Liedern und landen auf CDs und Streaming-Plattformen. Im Jahr 2017 schafft es das Lied „Heim“, das den Wiener Heimskandal thematisiert, in die Top 10 der Liederbestenliste.

In seinen Texten arbeitet sich Beck an schwer verdaulichen Brennpunkt-Themen wie Kindesmissbrauch, Nationalsozialismus und Rassismus ab. Mit zum Teil drastischen Bildern („Meine ganze Liebe prügle ich euch für mich / wieder aus euch heraus“) legt er den Finger in die Wunde und streut Salz hinein. Frei nach Hubert von Goiserns „Brenna tuats guat“ – denn der zunächst brennende Schmerz bedeutet in weiterer Folge Desinfektion oder eben Heilung. Beck hält der Spaßgesellschaft, die sich von Werbung einlullen lässt, unaufhörlich den Spiegel vor. Thomas Andreas Beck zeigt das Wiedererstarken von rechts-nationalen Tendenzen in Gesellschaft und Politik auf: „Es ist ein Buch über den Alltag in Reihenhaussiedlungen, über den gefährlichen Populismus der Gegenwart und die heilende Kraft der Freundschaft und Selbstermächtigung“, so Beck.

„Texte die was keine Lieder geworden sind. 20 Regeln zum Glück“ ist sein drittes Buch. „ich lebe sterbe“ (2003) wurde vom Bundeskanzleramt als schönstes Buch des Jahres ausgezeichnet – Gestalter Clemens Schedler hat auch dieses Mal für die Gestaltung gesorgt. Wie schreibt Zen-Meisterin Anna Gamma im Klappentext des Buches? „Der Schrei zum Himmel ist fast unerträglich laut“. Richtig. Ein ernstes Buch, das in unsere Abgründe schaut und gleichzeitig Hoffnung gibt.

Veröffentlichungen: 4 CDs, zuletzt „Stille führt“ (2017), 3 Bücher

Thomas Andreas Beck: „Texte die was keine Lieder geworden sind. 20 Regeln zum Glück“ (Goldegg Verlag: Wien/Berlin: 2020, 80 Seiten), 16,95 Euro, ISBN 9783990601617 Weiterlesen

Das Buch: Texte die was keine Lieder geworden sind.


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Reiss dich einfach kurz zusammen, hol deine ganzen Gehirnwindungen zusammen, bemüh dich zu denken, stell dir die Frage: »Wozu lebe ich?«

Regeln zum Glück

Halte einfach die Luft an, trau dich die Stille auszuhalten, so lange, bis es dir einschießt. Wenn du dich nicht gleich wieder vom neuen Werbespot einlullen lässt, stehen die Chancen gut, dass du dir die Antwort merkst. Du kannst es dir eventuell auch sicherheitshalber gleich aufschreiben. Oder pecken lassen.

Portrait

Thomas Andreas Beck, Liedermacher, Dichter und Autor, ist 1968 in Wien geboren und schreibt seit 30 Jahren Texte über in Österreich leidenschaftlich verdrängte Themen.

Als Liedermacher veröffentlichte er seit 2009 vier Alben – »Mei Herz brennt«, »Freude«, »Knistern« sowie »Stille führt« – mit denen er solo und mit Band durch den deutschsprachigen Raum tourte. 2003 erschien sein Buch »Ich lebe sterbe«, 2012 »Alles in die größte Kraft« mit komprimierten Erkenntnissen.

Er lebt und arbeitet in Wien und Breitenbrunn am Neusiedlersee.

Dezentrale Vor-Lesung. Aus dem neuen Buch »Texte die was keine Lieder geworden sind.«


Gemeinsam mit meinem Lebensfreund – dem erfahrenen visuellen Gestalter Clemens Schedler – ist mein drittes Buch so gut wie fertig. Es wurde ein poetisches Werk, eingebettet in eine kraftvolle und zugleich stille Welt der Gestaltung. Grosse Freude auch über die Partnerschaft mit dem wiener Goldegg Verlag, endlich fanden Elmar Weixlbaumer und ich ein gemeinsames Projekt und somit den Einstieg in eine hoffentlich lebenslange Kooperation.

Seit drei Jahren habe ich kontinuierlich geschrieben, mich immer wieder still an meine 1936er Schreibmaschine gesetzt und gewartet was kommt. Was mich durchflutet. Es war die Zeit, als in Österreich die braunen Wunden aufplatzten, als ein Norbert Hofer einen verleumderischen und hetzerischen Bundespräsidenten-Wahlkampf führte, die Zeit, als Sebastian Kurz mit seinen manipulativen Strategien Schritt für Schritt an die Macht kam. Es war jedoch auch die Zeit nach der von der Zen Meisterin Anna Gamma durchgeführten »Heilungs- und Versöhnungsreise an die Orte der nationalsozialistischen Verbrechen in Österreich« – es war die Zeit nach dem »Spiegelgrund« – nach meiner Erfahrung von tiefer Trauer und Solidarität mit den dort ermordeten Kindern.

Es war die Zeit, in der ich keine Lieder schrieb. »Wenn du in lauten Zeiten gehört werden willst, musst du still sein.« – das war mein Satz, das war meine Erklärung, warum ich nicht mehr mit Band auf die Bühnen wollte. Warum ich begann, meine Texte zu lesen statt zu singen.

Es war auch die Zeit, In der meine Söhne Lukas und David das Haus verlassen haben, sich auf eigene Beine gestellt haben – und ich ihnen ein guter Helfer und Begleiter in das Eigene war.  Es war auch die Zeit, in der ich meine Heimat gefunden habe, in der Liebe und hier im Burgenland, am Nordufer des Neusiedlersees. In meinem Haus, in meinem Garten. Weit genug weg von meiner Herkunft, meiner Kindheit. Ein Abstand der mir gut tut, mich atmen lässt, mich mit mir lässt.

Dieses Buch ist ein Buch über meine Erfahrungen der Kindheit, über Adolf Hitlers Leben, über die Morde der Nazis ebenso wie über die Schläge »Der ihre Kinder doch über alles liebende Eltern« der Nachkriegszeit. Irgendwie ist die Nachkriegszeit auch immer zugleich die Vorkriegszeit. Es ist ein Buch über den Alltag in Reihenhaussiedlungen, über den gefährlichen Populismus der Gegenwart ebenso wie über die heilende Kraft der Freundschaft und der Selbstermächtigung.

Am 29. November lese ich in dezentraler Lage und ins kleinem Kreis aus meinem neuen Buch und auch andere Texte, die offizielle Buchpräsentation ist für Anfang 2020 geplant.

 

Dezentrale Lesung// T.A. Beck

Aufhören, solange es noch geht.

Bethlehem. Donauinsel. Festspielhaus Bregenz. Österreichisches Parlament. Museumsquartier Wien. Kirchentag Hamburg. Tage der Utopie Breklum. Wiener Rathausplatz, Salzburg, Klagenfurt. München. Dutzende Clubs, Strassenfeste, Stadtfeste, Bergfeste, Firmenfeiern. Tonstudios, Proberäume, Band und Solo.

Ich wollte es wissen: Stimmt mein Jugendtraum? Meine Phantasie vom Rockstar? Meine Sehnsucht nach Bühne? Mein Drang, mich nackt her zu zeigen, mich auszudrücken? Mich hin zu stellen. Mich zu singen. Eigentlich wollte ich nur ein Album produzieren. Eine »Platte machen«, mit den finanziellen Möglichkeiten des Erwachsenen den Traum des Kindes verwirklichen. Spät aber doch noch. In diesem Leben. Rein in’s Studio, alle neun Lieder zusammenkratzen, ruck und zuck einspielen, zwei Studiotage müssen reichen, sagt der Produzent. Fixpreis, da muss gespart werden, effizient »gearbeitet«. Die Musiker sind Profis, jeder Takt, jeder Ton sitzt. Die von mir reichlich falsch getroffenen Töne werden digital nachbearbeitet, gestimmt, verändert, komprimiert, gehallt und gemischt. Fertig ist das Album. »Mei Herz brennt«.

Geschäftstüchtig wie ich bin, ist die Musikergage für die LIVE Albumpräsentation im Wiener Ostklub inklusive, nach einer hektischen Probe stehe ich also nach mehr als 20 Jahren erstmals wieder auf einer Bühne. Der Club zum Bersten voll – wenn der Tom Beck seine Musik präsentiert, interessiert das viele Geschäftspartner, Freunde, die ganze Familie ist da. Da passiert es, bei »Der Schrei« kipp ich rein, trau mich, versinke und schwebe hinein in die rauschende Welt der Livemusik. Ich schreie, genier mich kurz, vergesse es sogleich wieder und flieg ab.

Konzert fertig, geschafft. »Das war’s« – denk ich mir. Traum verwirklicht, Hakerl drunter, weiter geht’s. Wieder rein in meine Firma, coachen, beraten, Geld verdienen, Anzug anziehen. Wären da nicht meine Freunde gewesen. Simone, Didi und Clemens. Bleib dran Tom, es war großartig, das bist du, wann spielst du wieder? Ich schlafe drüber, glaube es mir selbst nicht ganz, höre den Mitschnitt, schaue den Film zum Konzert an. Betrachte die Fotos – vom mir, von der Band. Sehe Emotionen, wie ich sie von mir bisher nicht kannte. Sehe einen anderen Thomas, den Künstler.

Zweihundert Konzerte folgen, unplugged, rockig. Fast jede Woche ein neuer Auftritt. Das Publikum findet sich, wächst zum Stamm. In Wien füllen sich die Säle, ich schreibe Lied für Lied. Die Band ist motiviert und verdient auch gut – wer live spielt, setzt um. Wie aus dem Nichts steht ein Programm von über zwei Stunden Show. Ich merke mir Texte, lerne das Bühnenleben. Stelle meine Firma zurück, produziere zwei weitere Alben, der von mir produzierte Konzertfilm »Knistern« kommt sogar in’s Kino. Weiter geht’s. Konzert für Konzert. Ich glaube an meinen Traum, glaube daran, berühmt, beliebt und erfolgreich sein zu können. Von der Kunst leben. Was für ein Lebenstraum.

Geld fliesst. Viel Geld. Jedes Album verschlingt fünfstellige Eurobeträge, die Plakatkampagnen ebenso, die Inserate und Musikergagen. Ich investiere in mich. Meine Firma schreibt erstmals ein Minus – so ist das, wenn du etwas Eigenes aufbaust. Die Kisten mit unverkauften CD’s und DVD’s stapeln sich nach jedem neu produzierten Album höher und höher, die Verkäufe gehen gegen Null. Der Steuerberater warnt mich, ich spare erstmals bei der Band ein und beginne mein Solo Programm. Kaufmännisch clever, künstlerisch fordernd und fördernd.

Ich wachse künstlerisch, das Publikum schrumpft. Wenn die tanzbare Unterhaltung mit Trommeln, E-Gitarren und Bässen verschwindet, verschwindet auch ein grosser Teil dieses Publikums. Meine Texte waren schon immer düster, nachdenklich und wenig unterhaltsam – die rockig groovige Musik glich das aus. So kam es oft vor, dass Menschen im dröhnenden Rhythmus vom Holocaust Lied »Schaut’s hin« freudig tanzten. Mich verstörte das regelmässig, ärgerte mich. Ich begriff, dass meine Texte im Dröhnen der unterhaltenden, lauten Musik unter gingen. Versuchte, dieses Dilemma in Gesprächen und Workshops mit den Bandmusikern zu lösen, doch es war vorbei. Ich begann, ohne es bewusst zu entscheiden, meinen Rückzug. Veränderte die Band, spielte mit »sanfteren« Musikern, versuchte den Neuanfang. Ich kam nicht mehr rein.

Meine tiefe Verletztheit, meine klaffenden Seelen-Wunden, die ja von Anfang an die Quelle meiner Kunst waren, zogen mich zurück. Die Frustration über meine mediale Unverträglichkeit drückte mich von der Bühne, aus der Band, aus der Freude und auch aus der Konsequenz. Ich fühlte mich unverstanden, ungesehen, ungerecht behandelt, verloren und sinnlos.

Ein großes Aufbäumen war das mit dutzenden Künsterinnen und Künstlern realisierte Großprojekt »Freude für Momo« – ich produzierte gemeinsam mit Thomas Mora ein mächtiges Musikstück, samt Film und medialer Präsentation. Für schwerstkranke Kinder und deren Familien, jedoch auch für uns. Kein einziger Radiosender nahm das Lied in sein Programm auf.

Dann – im Winter 2016 – ziehe ich mich für Wochen in meine Waldhütte zurück. Allein. Besorge mir ein professionelles Aufnahmegerät und arbeite an meinem letzten Album »Stille führt«. Nur meine Gitarre und ich, begleitet vom knisternden Ofen und dem Rauschen des Waldes. Es dauert lange, ich komme an meine Grenzen, spiele bis zu zehn Stunden lang immer wieder das selbe Lied, bis ich das Gefühl habe, dass es geboren ist. Thomas Mora mischt die 4 Spuren (Gesang, Gitarre Pickup, Gitarre Mikro und Raum) – beim Mastering mit Horst Pfaffelmayer zeigt sich für mich erstmals die Tiefe, die der Unterhaltung entgegengesetzte Dimension des Werks.

Das Album verkauft sich nicht, kommt mit dem brutalen Lied »Heim« jedoch für Monate in die Liederbestenliste Deutschlands. Ein künstlerischer Erfolg für mich. Balsam auf meiner gekränkten Seele.

Ich spiele Konzerte, Solo und Duo. In Wien, Reise nach Deutschland, Tournee, spiele vor sehr kleinem – jedoch überproportional begeistertem Publikum. Sogar in der Lebensstadt meiner deutschen Großeltern, in Erlangen. Ein stiller Traum geht in Erfüllung.

»Wieso hört man nichts von dir – wieso kennt man dich nicht?« – die an mich meist gefragte Frage. »Weil ich nicht massentauglich bin, weil kaum jemand in seiner Freizeit vom Krieg, Holocaust und Selbstmord hören will…« – der Versuch einer Antwort. Still in mir zweifle ich, glaube, dass es an mir liegt, an meinem künstlerischen Potenzial. Ich bin einfach nicht gut genug. Erste Konzerte werden kurzfristig abgesagt, die Veranstalter ziehen die Notbremse, weil der Vorverkauf stagniert. Ich versuche es locker und professionell zu nehmen, organisiere um. Und kränke mich, resigniere.

Innerlich beginne ich mich zu verabschieden, leide, leise und traurig. Habe aufgehört, selbst Konzerte aufzustellen, mich selbst zu vermarkten. Meine alte Wunde, mein altes Muster klopft an der Tür: »Wenn du mich nicht erkennst, hast du mich nicht verdient. Ich dreh mich um, gehe in meinen Wald und grab mich ein. Ende.«

Was heute leicht geht ist Schreiben. An meiner Maschine. Text für Text, kurz und prägnant, kleine Angriffe. Die Gitarren schlafen in ihren Koffern. Was auch leicht und gut geht, ist meine Firma. Geschäftsmann sein ist auch eine Kunst.

Der Krieg ist vorbei.

Film von Lukas Josef Beck.
»Der Krieg ist vorbei – Ein Satz, ein Bewusstsein, welches jeder einzeln für sich selbst zu sagen hat. Still in sich drinnen, laut gebrüllt und schluchzend in einem Eck liegend. Für jeden Menschen war es ein eigener, anderer Moment – damals, am Ende des zweiten Weltkriegs. Jeder für sich hatte diesen Satz in sich, abhängig davon, wo er war, wie er war, wer bei ihm war, wem er begegnete. Und – ob er auch wirklich den Krieg vorbei sein lassen wollte…« – das antwortete mir der 92 jährige Professor Ernst Gehmacher auf die Frage, wie er 1945 das Ende des Krieges erlebte. Jeder ist mächtig, den Krieg vorbei sein zu lassen. Zu aller Erst den in sich selber, tief drin. Eines meiner ganz neuen Lieder. Gemeinsam mit Tom Bayer gespielt, am 13.10. im wiener DAS OFF THEATER, mitten drin in Devi Saha’s genialem TAXI.SPEiBER Bühnenbild…

Brauch ma wirklich Kriag um uns wieder zu spüren, brauch ma zerbombte Städte, miass ma scho wieder an Führer küren? Brauch ma wirklich Kriag um zusammen zu stehen, brauch ma scho wieder an Feind, um uns söwa zu sehn? Brauch ma wirklich Kriag um den Wert zu schätzen, brauch ma den totalen Valust, miass ma scho wieda hetzen? Brauch ma wirklich Kriag um de Wirtschaft zu retten, brauch ma Aungst vuam Tod um uns ned aun’s Leben zu kettn? Mei Kriag is vuabei, mei Kriag is vuabei. Brauch ma wirklich Kriag um Probleme zu schaffen, wer aussa uns bringt si um, mia san die dümmeren Affen. Brauch ma wirklich Kriag um die Liebe zu finden, kummt des Sehen nua daunn, waun ma vuaher erblinden? Mei Kriag is vuabei, mei Kriag is vuabei. Mei Kriag is vuabei, mei Kriag is vuabei. Brauch ma wirklich Kriag Weu ma den Frieden ned können, miass ma Unglück stiften, aus Angst im Glück zu vabrennen? Bin i vielleicht selber da Kriag, tiaf drin in mia. Zersetzt mi, zerfetzt mi von Innen die giftige Gier? Da Kriag is vorbei, da Kriag is vorbei. Da Kriag is vorbei, da Kriag is vorbei.