Buch-Interview: Vom Korsett Liedertext befreit…

https://www.musicaustria.at/texte-liedfaehig-zu-machen-habe-ich-immer-als-korsett-erlebt-thomas-andreas-beck-im-mica-interview/

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Ich glaube, dass Texte dann gut sind, wenn ich beim Schreiben all meine Angst vor Peinlichkeit überwinde und mich voll reinhaue. Da gibt’s dann auch kein Tabu. Wenn ich, wie im Buch, über meine eigene Fremdenangst und Gedanken über Ausländer in der Wiener U-Bahn schreibe, meine eigenen Vorurteile und Schwächen zeige – dann entsteht erst das glaubwürdige Kunstwerk.« Weiterlesen

Buch-Kritik: Haarscharf an der Harmonie vorbei geschrammt

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Trotz der brutalen Themen ist die Sprache, die Thomas Andreas Beck verwendet, meist alles andere als grobschlächtig oder aggressiv. Wenn es klare Worte braucht, werden sie gebraucht. Fast schleichend bahnen sie sich aber manchmal erst an, um nach und nach das Grauen preiszugeben, wie in »Am Grund des Spiegels«. Da heißt es am Anfang fast zärtlich: »Spielen hat Grund Kinderseelen tanzen gern.« Am Ende wird der Horror beim Namen genannt.« Weiterlesen

Interview little dogtown

Was ist bloß los mit uns Österreichern? Warum denken wir so Schwarz-Weiß, warum so viel Ablehnung gegen das Fremde – wo wir doch selbst ein Mischvolk sind? Was ist zu Lernen in dieser Krise, was können wir als Gesellschaft noch nicht?

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Presseinformation zum Buch »Texte die was keine Lieder geworden sind.«

Texte die was keine Lieder geworden sind.

»Seine sowieso intensiven und nicht alltäglichen Texte erhalten dadurch eine weitere Tiefe und man kann dieses Album eigentlich als Hörbuch im besten Sinne « (Pop Info Österreich)

»Seine Stimme erinnert an den unvergesslichen Ludwig Hirsch, seine Kompositionen sind ähnlich düster reduziert, seine Texte eindringlich und klug.« (Film, Sound und Media)

Ein Lyrikbuch der anderen Art. Eindringlich, schonungslos – am Ende mit Hoffnung und 20 Regeln zum Glück.

Die obigen Zitate spannen das Koordinatensystem für das neue Buch von Thomas Andreas Beck auf: „Texte die was keine Lieder geworden sind. 20 Regeln zum Glück“. Denn wie einst die Dichter der Antike, die auch Sänger waren, deckt Beck in seinem kreativen Schaffen Text und Musik gleichwertig ab – manche Texte werden nicht vertont und finden sich in diesem Buch wieder, andere werden zu Liedern und landen auf CDs und Streaming-Plattformen. Im Jahr 2017 schafft es das Lied „Heim“, das den Wiener Heimskandal thematisiert, in die Top 10 der Liederbestenliste.

In seinen Texten arbeitet sich Beck an schwer verdaulichen Brennpunkt-Themen wie Kindesmissbrauch, Nationalsozialismus und Rassismus ab. Mit zum Teil drastischen Bildern („Meine ganze Liebe prügle ich euch für mich / wieder aus euch heraus“) legt er den Finger in die Wunde und streut Salz hinein. Frei nach Hubert von Goiserns „Brenna tuats guat“ – denn der zunächst brennende Schmerz bedeutet in weiterer Folge Desinfektion oder eben Heilung. Beck hält der Spaßgesellschaft, die sich von Werbung einlullen lässt, unaufhörlich den Spiegel vor. Thomas Andreas Beck zeigt das Wiedererstarken von rechts-nationalen Tendenzen in Gesellschaft und Politik auf: „Es ist ein Buch über den Alltag in Reihenhaussiedlungen, über den gefährlichen Populismus der Gegenwart und die heilende Kraft der Freundschaft und Selbstermächtigung“, so Beck.

„Texte die was keine Lieder geworden sind. 20 Regeln zum Glück“ ist sein drittes Buch. „ich lebe sterbe“ (2003) wurde vom Bundeskanzleramt als schönstes Buch des Jahres ausgezeichnet – Gestalter Clemens Schedler hat auch dieses Mal für die Gestaltung gesorgt. Wie schreibt Zen-Meisterin Anna Gamma im Klappentext des Buches? „Der Schrei zum Himmel ist fast unerträglich laut“. Richtig. Ein ernstes Buch, das in unsere Abgründe schaut und gleichzeitig Hoffnung gibt.

Veröffentlichungen: 4 CDs, zuletzt „Stille führt“ (2017), 3 Bücher

Thomas Andreas Beck: „Texte die was keine Lieder geworden sind. 20 Regeln zum Glück“ (Goldegg Verlag: Wien/Berlin: 2020, 80 Seiten), 16,95 Euro, ISBN 9783990601617 Weiterlesen

Das Buch: Texte die was keine Lieder geworden sind.


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Reiss dich einfach kurz zusammen, hol deine ganzen Gehirnwindungen zusammen, bemüh dich zu denken, stell dir die Frage: »Wozu lebe ich?«

Regeln zum Glück

Halte einfach die Luft an, trau dich die Stille auszuhalten, so lange, bis es dir einschießt. Wenn du dich nicht gleich wieder vom neuen Werbespot einlullen lässt, stehen die Chancen gut, dass du dir die Antwort merkst. Du kannst es dir eventuell auch sicherheitshalber gleich aufschreiben. Oder pecken lassen.

Portrait

Thomas Andreas Beck, Liedermacher, Dichter und Autor, ist 1968 in Wien geboren und schreibt seit 30 Jahren Texte über in Österreich leidenschaftlich verdrängte Themen.

Als Liedermacher veröffentlichte er seit 2009 vier Alben – »Mei Herz brennt«, »Freude«, »Knistern« sowie »Stille führt« – mit denen er solo und mit Band durch den deutschsprachigen Raum tourte. 2003 erschien sein Buch »Ich lebe sterbe«, 2012 »Alles in die größte Kraft« mit komprimierten Erkenntnissen.

Er lebt und arbeitet in Wien und Breitenbrunn am Neusiedlersee.

Zwanzig Jahre selbst und ständig


Am 2. September 1998 gab es noch den Schilling. Fünfhunderttausend Stammkapital brauchte ich um ein Jahr nach dem Sprung in die Selbständigkeit meine Tombeck Marketing und Vertrieb GmbH zu gründen. Aus versteuertem Privatgeld musste es sein. Ich investierte meinen ersten Gewinn in mich.

Der Euro kam kurz danach, gefolgt von der Jahrtausendwende. 13,7603 und 2000. Zwei Zahlen, die mir Jungunternehmer die ersten grauen Haare bescherten. Dreißig Jahre jung war ich damals, bis dahin angestellt und erfolgreicher Vertrieb- und Marketingmanager in einem Baumaschinenunternehmen.

Ich wusste 1998 nicht genau was ich unternehmen werde – doch ich wusste, dass ich frei sein will. Frei von Macht von Oben, frei von Ohnmacht, frei von Anweisungen und frei von Kontrolle und Rechtfertigungsdruck.

Frei für mein Eigenes, meine Kreativität, Verrücktheit und Herr meiner eigenen Zeit. Ich hatte mich selbst als Kapital, meine Gedankenkraft – und einige, wenige gute Freunde. Ohne diese Freunde hätte ich gar nichts geschafft, allein wäre ich gescheitert. Zu allen möglichen Tages- und Nachtzeiten standen mir Babsi, Clemens, Seppi, Elisabeth, Martin und Wolfgang zur Seite. Was diese Sechs mir voraus hatten: sie waren bereits selbständig. Sie kannten allesamt diesen fordernden Cocktail aus Freude und Angst. Aus Freiheit und Bürokratie. Aus Abenteuer und Verlorenheit. Aus Erfolg und Krise. Meine Freunde schenkten mir, was es nicht zu kaufen gibt: Ihre Erfahrungen, ihre Zuversicht und – vor allem – ihr Zutrauen. Sie nahmen mich in ihrem Kreis auf.

Wenige Jahre später sollte eine Begegnung mein Leben verändern: Ich lernte Professor Ernst Gehmacher kennen, ein renommierter Sozialwissenschaftler. Durch Ernst lernte ich die Ordnungen und Gesetze menschlicher Beziehungen verstehen, die Welt des Sozialkapitals. Er schenkte mir sein Wissen, seine Weisheit. Bis heute ist Ernst mir Mentor und Ratgeber, bis heute weiß er auf meine unbeantwortbaren Fragen Antworten.

Es dauerte mehr als zehn Jahre, bis ich mitten im Trubel des Beratungsgeschäfts mein Künstler Sein wieder entdeckt hatte. Meine Gitarren waren verstaubt, meine Lieder vergessen, meine Kompositionen sehr selten geworden. Dominant waren meine Projekte für Firmen zwischen BMW, Mercedes, unicredit, Raiffeisen, Stadt Wien, Denzel, Radatz, Salewa, Familien- und Lebensministerium. Am spannendsten fand und finde ich bis heute die Arbeit mit kleineren Familienbetrieben. Ich hatte mir mittlerweile als Experte für „Human Empowerment“ einen Namen gemacht, hatte meine ersten Lehrveranstaltungen an Universitäten und Fachhochschulen.

Ausschlaggebend für meine Rückbesinnung an die Musik war vor allem eine weitere Begegnung. Andy Holzer kam in mein Leben, eine Freundschaft, welche vom ersten Moment an wie ein Wirbelsturm in mein Leben donnerte. Die Nähe zu Andy, gemeinsam mit ihm in den Dolomiten zu klettern, im Weissensee zu tauchen oder einfach nächtelang über unsere Ideen und Pläne zu reden, zu blödeln – von Anfang an vergessen zu haben, dass er von Geburt an blind ist. Das hat mein Leben an den Grundfesten verändert, erschüttert, erneuert. Eine Freundschaft, welche mich in die Antarktis, in den Dschungel von Madagaskar und tief rein in mein Selbst geführt hat.

Heute feiere ich zwanzig Jahre Selbständigkeit. Heute bewege ich mich zwischen den Welten als Künstler und Manager, verbinde ich Herz und Macht. Lange kämpfte ich mit diesem scheinbaren Gegensatz, Widerspruch zwischen Bühne und Firma, zwischen Leidenschaft und Gewinnorientierung. Heute ist genau diese Verbindung von verrückter Kreativität und professioneller Verlässlichkeit meine Stärke, werde ich zur Bewältigung von Krisen ebenso eingeladen wie für die künstlerische Leitung des „Weinsommer Gumpoldskirchen“. Begleite ich Umstrukturierungen und Expansionen, Stadtentwicklung und berate Vermögende.

Konsequent lasse ich weg wass mich nicht mehr begeistert und mach somit Platz für meine neuen Träume.

Ab und zu höre ich die Worte meines Beamten- Papas, vor genau zwanzig Jahren im Ohr, sein fürsorglicher Zweifel sitzt bis heute tief in mir: „Warum gibst du eine sichere Anstellung auf!? Bis du überhaupt ein Unternehmertyp?!“

Dieser Zweifel ist immer wieder da, erdet mich, fürchtet mich, kränkt mich. Ich frage mich, was in diesen zwanzig Jahren anders gewesen wäre, hätte er gesagt: „Ich sehe den Unternehmer in dir! Ich traue dir das alles zu und glaube an dich.“

Ich habe mich oft gefürchtet, kenne die Existenzangst, diese schlaflosen Nächte in denen du glaubst, nie wieder einen neuen Auftrag zu bekommen, pleite zu gehen und zu scheitern. Ich habe mich unzählige Male gewundert, was ich alles kann, woher ich es kann. Ebenso unzählige Male erlebte ich Momente purer Freude und des Glücks – immer dann, wenn ein Werk gelungen war, wenn die Gänsehaut da war und ein unlösbar erschienenes Problem, ein Konflikt gelöst war. Wenn es den Menschen durch das Ergebnis unserer Arbeit besser ging.

Niemals wollte ich zurück in die scheinbare Sicherheit einer Anstellung. Niemals.

Ab und zu wünschte ich mir, bekannter, berühmter und noch beliebter zu sein. Um kurz nach dem Gedanken innerlich zu lächeln, mit dem stillen Satz in mir – zu mir selbst: „Tommi, du bist ein ziemlich leiwander Hawara! Mach weiter, es ist noch nicht zu Ende.“

Ich danke allen Wegbegleitern, meinen erwachsenen Söhnen Lukas und David, allen Kunden, Fans und der Bank. Und ganz besonders: meinem Papa.

Mei Bua// 2018// Kreta

Es war der Tag, an dem ich meine Yamaha FZX750 ohne jeden Zweifel im Bazar inserierte. Einen Tag später war sie weg. Ich schaute dem Fremden nach, der mit röhrendem Auspuff die Feuerwehrstrasse einmal runter und einmal rauf raste. Zwei scharfe Schlangenkurven und eine inszenierte Notbremsung später drückte er mir fünftausend Schilling in die Hand, schraubte das Kennzeichen ab und verlud das Nakedbike auf den Anhänger seines Autos.

Es war der Tag, an dem der Ultraschall den schwarz-weiß Umriss eines winzig kleinen Wesens zeigte. Der Tag in meinem Leben, an dem mich dieses Gefühl von „nicht mehr nur für mich verantwortlich sein“ wie eine Infusion in die Adern getroffen hat, unmittelbar, zweifelsfrei, schwergewichtig.

Nicht, dass ich als damals siebenundzwanzigjähriger Baggerverkäufer plötzlich weise und leise geworden wäre. Nicht, dass unsere damals schon sehr aufgeriebene, problematische Beziehung plötzlich geheilt und entspannt gewesen wäre.

Nicht, dass ich auch nur im Ansatz geahnt hätte, was Vater sein bedeutet, was mich erwartet und wie ich es meistern soll. Nicht, dass ich keine Ängste und Enge gespürt hätte, sich kein Gefängnis aus Verantwortung und Ausgeliefertsein in meinen Knochen festsetze.

Doch, es war da: Dieses zweifelsfreie Bewusstsein von Vaterliebe. Seither, ununterbrochen. Immer. Auch jetzt. Hier, dreiundzwanzig Jahre später, gemeinsam zu zweit auf Kreta. Vater und Sohn Reise. Lukas und ich.

Mit 160 km/h an Autokolonnen vorbei rasen, die Grenzen der Schräglagen austesten und dieser immer wieder unverhinderbar passierende Beschläunigungskick, dieser emotionale Cocktail aus Körperdruck und höllischem Maschinenknall in meinen Ohren, diese Vibration in meinem Arsch und den Eiern – das ging sich nun in mir nicht mehr aus.

Also blickte ich fassungslos dem Anhänger mit meiner geliebten FZX hinterher, wusste gar nicht wie mir geschieht. Als ob jemand Anderer mein Bike verkauft hätte, ein fremder Mann, welcher sich mit einem Blitzschlag in mein jugendliches leichtsinniges Selbst gesetzt hätte.

Unser zweites Kind schaffte es nur ein Jahr später nicht, legte sich im Eileiter zur ewigen Ruhe, nicht ohne vorher mit all seiner gesunden Wachstumskraft diesen brutal zu zersprengen. Die mütterliche Bauchdecke voller Blut, die Notoperation rettete das eine Leben, für unser Kind war es vorbei bevor es begann. Anonym entsorgt im Spital, noch bevor ich wusste, dass es eine Eileiterschwangerschaft und kein Blinddarmdurchbruch war. Im Nebel meiner Verdrängung erinnere ich mich an diesen Tag. Lukas konnte gerade gehen, die Spitalstage der Mutter waren unsere erste richtige Vater Sohn Zeit. Es ging leicht, ich fühlte mich stark und sicher – erstmals allein mit Lukas. Hand in Hand gingen wir täglich Richtung Spital los,…

Wieder ein Jahr später – David. Wieder ein Paar Tage Vater Sohn Zeit mit Lukas, allein auf uns gestellt, still verbunden und alles leicht.

Danach: der ganz normale Pampers und Milupa Wahnsinn für mich. Das Haus wurde zur Kinderstube, die Wandfarben Tag für Tag blauer angestrichen, die Böden Tag für Tag mehr von piepsendem Plastikspielzeug, Krabbelhilfen, Kuscheldecken bedeckt, die Stiegenabgänge vergittert, die Steckdosen mit Ikeaplastik unverwendbar gegen die Gefahr tödlicher Stromstöße abgesichert. Meine LP Sammlung und Plattenspieler weit über Augenhöhe verlagert, mein Arbeitsraum zum zweiten Kinderzimmer umgekrempelt.

Das Doppelbett wurde zum Massenbett, die Kinderfüsse im Gesicht, der partnerschaftliche nächtliche Tritt unter der Decke, zu verstehen als unsanfte Aufforderung, das nächtliche Fläschchen nicht zu heiss und nicht zu kalt zu bereiten.

Der Freundeskreis bestand in Null Komma Nichts nur noch aus Eltern mit gleichaltrigen Kindern, die Väter tranken bei den unzähligen Kinderjausen Bier und redeten über ihre super Jobs, die Mütter über Blähungen, nächste Schwangerschaften, über die ihren Ansprüchen niemals gerecht werdenden Krabbelstubentanten. Sie organisierten den Protest der besorgten Mütter und mobbten tatsächlich die neue Leiterin des Kindergartens via Bürgermeisterintervention raus. Niemand konnte es gut genug machen, niemand so gut wie sie selber – wenn sie nicht dauernd selbst arbeiten müssten… Und wir Väter schauten zu, hielten uns raus, beschränkten uns auf Stänkern und „über die Frauen spotten“…

Ich flüchtete mich unreif in Karriere, in Messen und Geschäftsreisen, Affären und Räusche. War stolz darauf, der jüngste Marketing- und Verkaufsleiter der Baumaschinenbranche zu sein und verdiente mehr Geld als heute. Ich gab allerdings auch deutlich mehr aus.

In unvereinbarem Widerspruch stand mein Vatersein mit der Undenkbarkeit, mich einer Lebensform zu unterwerfen, welche ich zu tiefst verabscheute. Meine eigene Unreife und Freiheitssehnsucht stand uns allen im Weg. Die Streiterein wurden lauter, die Räusche täglich, die Traurigkeit tiefer und die Sprachlosigkeit zwischen uns Eltern immer dröhnender.

Ich flüchtete für alle unübersehbar aus der Beziehung. Fand in Psychotherapie und Coaching-Ausbildung das eine oder andere Licht am Ende des Tunnels. Je mehr ich mich selber entdeckte umso mehr verloren wir uns. Lange Zeit erzählte ich an dieser Stelle meine Opferversion, die Geschichte vom armen, schuldlosen Mann, vom Opfer der bösen Frau. Heute ist mir meine damalige Feigheit, Unfähigkeit, Unreife und auch Unentschlossenheit bewusst.

Acht Jahre nachdem die FZX ohne mich davon fuhr, packte ich meine Sachen. Musste ich sie packen, freiwillig wäre anders gewesen. Scheidung. Haus weg. Plötzlich war ich „von den Söhnen getrennt lebender Alimente zahlender Vater“.

Kinder nur alle 2 Wochen an den Wochenenden mit mir, einmal die Woche extra über Nacht. Auch hierzu erzählte ich lange meine Opfergeschichte – heute bin ich meiner Exfrau dankbar. Sie hat alles gegeben – auf ihre Art, ich bekam einen großen Teil meiner Freiheit – auf meine Art.

Sechs mal zog ich in vierzehn Jahren um, immer auf der Suche nach der größt möglichen Nähe zu unseren beiden Söhnen. Traumhafte Vater-Söhne Reisen und Urlaube, Tauch- und Surfkurse, tägliche Telefonate und – bis heute – Platz für unsere Emotionen. Im Gespräch und im Schweigen. Damals schon, heute erst recht.

Gelandet bin ich zuletzt in einer WG mit Lukas und David – die schönsten drei Jahre meines Lebens. Voller Reibung und Nähe, voller Heilung und Freude. Mit meinen Söhnen in diesem Leben doch noch unter einem Dach leben zu können – diesen Traum hatte ich seit der Scheidung geträumt – und diesen Traum hatte ich aufgegeben. Losgelassen. „Lass los und es geht los.“ – wieder mal.

Was mich in den tiefsten Krisen, in der leersten Verlorenheit und weit weg von Lebensfreude immer und immer wieder hier gehalten hatte, war dieses Bewusstsein von „Vater Sein“. Von „Da Sein“, was auch immer ist. In der größten Dunkelheit war dieser goldene Faden da, zwischen unseren Herzen – sogar und erst recht dann, wenn wir uns verloren hatten. Auch diese Phasen gab es.

Was mich heute in einer Tiefe glücklich sein lässt, wie ich sie mir nicht tiefer vorstellen kann, ist die Liebe – so wie ich mich von Lukas und David gesehen fühle. In meinem Wesen, in meinen Schatten, in meiner Berufung. Die beiden – heute erwachsene, gereifte Männer – sind in den Kreis meiner besten Freunde und Ratgeber eingetreten.

Wer mich kennt weiß, welchen hohen Wert „Freundschaft“ für mich hat. Den höchsten. So schließt sich ein Lebenskreis. Sohn und Vater sitzen mit Blick auf’s Meer, schweigen und schreiben nebeneinander…

Mei Bua/ 2006

Ich wünsch dir zu begreifen, warum du am Leben bist. Warum du immer wieder von unten Schwung holen wirst, wie sehr du mir wichtig bist.

Du sollst lieben und sollst lachen, weinen und deinen Atem spüren, verstehen warum’s die Wärme und die Kälte gibt, warum sie versuchen werden, dich zu verführen.

Wünsch dir die höchsten aller Höhen, die Tiefen nur so tief wie du sie brauchst, um immer wieder zu erfahren, dass du an dich glaubst.

Sollst lernen zu vergessen, was gestern wichtig war, frag Löcher in ihre Bäuche, sei dir nie zu früh zu klar.

Du bist mei Bua, mei geliebter Bua – Ich trau dir Alles zu.

Hoff dass du immer glaubst an deinen Zauber, an die Kraft in dir mittendrin. Dass du es dir glaubst wann’s in dir hochkommt, vertraust auf deinen tieferen Sinn.

Wünsch dir, dass du dir immer treu bist, lernst jedem Menschen zu vergeben. Kämpfst für alles wofür es dir wert ist, schreib bitte Bücher übers Leben.

Du bist mei Bua, mei geliebter Bua, Ich trau dir Alles zu.

Mach nur das was dir dein Herz sagt, denk vor und niemals nach. Verschenk soviel wie du du nur geben kannst, trau dich stark sein und auch schwach.

Versuch zu verstehen, was die Liebe mit uns macht. Sei offen und vergnüg dich, es ist dein Herz, dass aus dir lacht.

Du bist mei Bua, mei geliebter Bua, ich trau dir Alles zu.