Flüssigschas für Europa.

Hätte der Ischias ihn bloß länger zum Ruhe geben gezwungen. Stolz einen Deal zu verkünden, dass wir Flüssiggas aus Amerika nach Europa holen – per Schiff oder Atlantikpipeline, noch besser: gleich per beaming über‘s Weltall – ist das mieseste Verhandlungsergebnis seit langer, langer Zeit für Europa.

Der eine Narzisst kann zwei Wochen nach seinem Gipfeldebakel seinen „Narzissmus first Wählern“ einen Mickey Mouse Beweis liefern, gegen Russland zu sein – der andere Narzisst kann nach seinem vorwöchigen Wackelkontakt seine Schwäche hinter einem Pyrrhussieg verstecken. Nur kurz, doch: verstecken.

„Ich bin in die USA geflogen, um einen Deal zu machen.“ – sagt unser europäischer Steuermann.

Was ist denn das für eine Vision? Für wen arbeitet er? Der Dealmaker Junker.

Unverblümt angekommen in der Welt des Business, endlich selber die Maske vom Gesicht gerissen, das Vorbild eines Europas der Werte zu sein, eines Kontinents des menschlichen Fortschritts, einer Region auf der Welt, wo Werte lenken und gelten. Politiker agieren anders. Businesstypen agieren genau so. Sie verpesten den Globus mit ihren Businessflügen – um globale Deals zu checken. Politiker reisen, um die Gesellschaft visionär weiter zu bringen, Frieden zu stiften, Gerechtigkeit in die Welt zu bekommen – um den Klimawandel zu schaffen.

Flüssiggas aus Amerika. Denkt da jemand nach was das bedeutet?! Ich soll also mein Wohnzimmer mit Schiefergas, welches im Raubbau auf einem tausende Kilometer entfernten Kontinent gewonnen, verarbeitet, verflüssigt, verpackt, LKW verladen, verschifft, wieder LKW verladen, transportiert, gelagert und dann in unsere Erdgasleitungen gepresst wird – beheizen?!! Oder mein Auto damit tanken?! Zurück in die Vergangenheit?! Ja – wir hängen an am Tropf der russischen Pipelines. Ja – das ist eine massive Abhängigkeit. Ja – das ist keine gute, sicher keine nachhaltige Lösung.

Doch: Nur weil der Golfkasperl einen Keil zwischen Russland und uns treiben will, weil er einen PR Erfolg gegen Russland braucht tauschen wir eine Kuh gegen eine Kuh?!

Ich kann wieder mal nicht genug Raki trinken, gemessen an meinem Speibbedarf.

Wo sind die Visionen? Wo ist die Energiewende? Who the fuck braucht Flüssiggas aus Amerika?! Das kann der Junker ja nicht mal trinken.

Drei Erkenntnisse:

1) Junker ist kein Politiker, er ist ein Wirtschaftslobbyist.

2) Trump kann sich mit seinem Flüssiggas die Schuhe aufblasen – es wird in Europa eine gewaltige Energiewende auslösen – jeder Vollidiot erkennt nun seine Macht, selbst Weltpolitik zu machen: indem er seine Gastherme beim Fenster raus wirft. Sein Elektroauto verwendet. Öffis und Bahn fährt. Auf Photovoltaik, Erdwärme- und Luftwärmepumpe umstellt, ein Passivhaus baut und sein Althaus thermisch so saniert, dass er dem Gaswerk eine Abmeldung mailen kann. Wir brauchen euren fossilen Scheiss nicht mehr!

3) Die EU ist seine EWG Seele niemals los geworden. Wir Europäer haben unser Kultur- und Gesellschaftsschicksal in die Hände (eben nicht in die Herzen) einer Wirtschaftsgemeinschaft gelegt. Europa braucht dringend Kultur- und Bewusstseinsentwicklung. Unter der Führung echter, der Gesellschaft statt der Wirtschaft verpflichteter Politiker. Oder es zerlegt uns. Die Populisten setzen genau bei dieser Schwäche an. Nur echte Politiker können den Populisten das Zepter wieder aus der Hand reißen.

Danke Ischias!