Sterben, Sex und Geld.


Die großen Tabus unserer Gesellschaft: Sterben, sexuelle Fantasien und Geld. 

Alle drei: Eng miteinander verwoben. Es geht um’s Leben. Es geht um Macht. Es geht um’s Überleben – wenn ich schon in meinem Körper der Endlichkeit unterworfen bin, so sollen doch meine Gene, mein Stamm, mein Spirit ewig sein. Wenn es nichts Sichereres als die Gewissheit irgendwann zu sterben gibt, dann will ich genau diese Tatsache nicht wahr haben. Denn für den mächtigsten, reichsten Menschen der Welt gilt das Gleiche: Das Leben endet mit dem Tod. 

Jeder Tag mehr – einer weniger. 

Diese Formel unterscheidet Nichts und Niemanden. 

Sex ist Fantasie. Achtsamer Sex heilt. Sex er zeugt auf magische Weise Leben, überwindet das Sterben auf spiritueller Ebene. „Wo war ich, drei Sekunden bevor ich durch meine Eltern gezeugt wurde? Eine Sekunde bevor diese eine Samenzelle meines Papas die Eizelle meiner Mama eroberte?!“ Ich weiß es nicht, habe keine Ahnung. Ich wurde – wie und wodurch auch immer – geschaffen. Um dann kurz danach entbunden zu werden. Entbunden aus der Verbindung, aus diesem unklaren, unbekannten, zauberhaften Irgendetwas. 

Wenn Geburt also Entbindung ist – muss Sterben Verbindung sein. 

„Kleiner Tod“ nennen Urvölker noch heute den Orgasmus. Orgasmus, dieser wissenschaftlich unerklärliche kurz andauernde Zustand voller Euphorie, Sehnsucht und Weisheit. Für mich ist es ein Zustand der kompletten Verbindung – mit dem unerklärlichen Irgendetwas. Mit dem woher ich komme und wohin ich wieder gehen werde. Das ist die Relation zwischen Leben, Sterben und Sex für mich. 

Geld wiederum – eine rein menschliche Erfindung. Geld wurde über die Jahrhunderte seiner Existenz verwandelt, missbraucht, entwendet. Seiner ursprünglichen Funktion des Gutscheines entfernt. 

Geld wurde zur Versicherungspolice. Zum Kopfkino. Zur Waffe. 

 Zum nur scheinbar unsterblich machenden Lebenselixier. Der Postbote wurde zum Brief gemacht. Wir verlagern unsere innere Potenz in die Währung, borgen und investieren Energie, die nicht wir sind, die wir nicht haben. Bunkern Erfolge, transferieren Freude des Augenblicks in die vielleicht nie erlebte Zukunft. Versuchen unsere Lebensenergie zu lagern wie Holzscheite. Um dann im Winter einzuheizen. Und verlieren so Lebendigkeit. Wiederum aus der Sehnsucht der unerreichbaren Unsterblichkeit heraus. Häufen – aus unserer Lebensleistung geschaffenes – Vermögen an um es so wie unsere Gene an die Nächsten weiter geben zu können. Um da zu bleiben, über unsere Effekte. Statt genau jetzt zu geniessen, zu feiern, zu leben. Um unsterblich da zu bleiben, selbst  wenn unsere Körper schon längst wieder verwest und verwandelt sind. 

Statt uns zu freuen, nicht ewig leben zu müssen. 

Die kurze Zeit die wir entbunden sind zu verdichten, zu intensivieren, auszukosten. Die kluge Antwort auf die Erkenntnis des sicheren Sterbens muss doch „Leidenschaft“ und „Entschlossenheit“ sein. Nicht Verdrängung, Verklemmtheit und Raffgier. 

Raus damit. Raus mit den wildesten Fantasien, raus mit dem Ersparten, raus mit den Todesängsten! Rein in die verrückte Lebensfreude.

Wer nicht spielt verliert immer. 

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