Rechne mit dem Schlimmsten – und freu dich darauf.

Was uns jetzt auf die Köpfe fällt ist nicht der Himmel – sondern unsere Gottlosigkeit. Unsere fehlende Spiritualität. »Gott« im Verständnis von »Urvertrauen, Demut und Verbundenheit mit der Welt, mit dem Universum«. Eine Gesellschaft, die sich über Kirchenaustritt, Konsumanbetung, Stars, Wirtschaftsgurus und Werbeikonen definiert, hat die Fähigkeit, konstruktiv mit Angst umzugehen, nach aussen delegiert.

Wir haben gelernt, die »falschen« Götter anzubeten. »Falsch« – weil nicht in uns, weil mächtig über uns. Weil wir uns sehenden Auges gerne täuschen und betrügen lassen. Weil wir unsere Authentizität träge der Bequemlichkeit geopfert haben – wir kaufen uns glücklich. Sind süchtig nach dem von Aussen glücklich gemacht zu werden. Brauchen Urlaube, Fahrzeuge, Markenkleidung und Schönheitsprodukte um uns zu spüren. Spekulieren im Casino des Lebens. Kaufen Brieflose statt uns selbst Liebesbriefe zu schreiben. Verschieben die Schuld statt selbst Verantwortung zu übernehmen. Übersehen sehenden Auges die himmelschreienden Ungerechtigkeiten der Globalisierung, tragen Fetzen aus Kinderhand und spekulieren mit Lebensmitteln.

Akzeptieren Kriege, welche wir uns »schön reden« – weil sie ja »gegen das Böse« sind. Akzeptieren, dass 2014 in Gaza 2267 Menschen – davon 2200 palästinensische Kinder, Mütter, Väter, Brüder, Schwestern – von Bomben zerfetzt wurden, weitere tausende verstümmelt und schwer verletzt, die gesamte Infrastruktur vernichtet ist – und wundern uns, wenn 2015 palästinensische Messerattentäter durch Jerusalem rennen und morden. »Beispielloses Ausmass an menschlichem Leid« – schreibt die UN darüber.

Wen interessiert’s? Wir glauben an gar nicht’s – ausser an’s Geld und an das Böse. Fürchten uns vor den Fremden und schreien nach Recht und Ordnung. Nach Grenzen, Zäunen, Ausweisungen, Obergrenzen, Kontrollen und Schleierfahndungen. Wir opfern unsere Freiheit, unsere Intimsphäre. Wir freuen uns über die millimetergenaue iPhone Navi Standortbestimmung unserer Selbst – ohne auch nur eine Sekunde daran zu denken, dass somit jeder halbwegs IT – kompetente Kiberer ebenso weiss, wo wir gerade sind, wohin wir uns bewegen wollen, wer ausser mir zugleich auch dorthin will (trifft sich eine potenzielle Terrorgruppe oder doch nur ein Klassentreffen?) und sogar wie schnell ich dorthin unterwegs bin. Online Strafzettel für Schnellfahren inklusive.

Wer glaubt an’s Gute!? An Liebe, Glaube, Hoffnung? Wir sind zu einem grossen Teil unspirituell, ungläubig, unverbunden, verstellt. Unfähig, mit Unsicherheit und Gefahr lebendig umzugehen. Leidenschaftlich zu leben. Wir betteln nach Sicherheit, bezahlen freiwillig mit unserer letzten Freiheit und merken vor lauter psychischer Verdrängung gar nicht, dass wir uns freiwillig zu Sklaven gemacht haben.

»Urvertrauen« – die wichtigste Fähigkeit um Liebe empfinden und geben zu können. »Liebe« – das Gegenteil von »Angst«. Urvertrauen bedeutet: »Ich rechne mit dem Schlimmsten und freue mich darauf.« Wir wimmern und zittern uns egoistisch durch’s Leben – zu feig, den Preis für ein liebevolles – also mutiges – Leben zu bezahlen, für ein Leben voller Leidenschaft! Wer kennt diese pure Freude – aber auch diesen Schmerz, diese Wut und Angst? Dieser magische Gefühlscocktail,  den es nur mit allen vier Zutaten gibt. Freude allein spielt es nicht – Angst, Schmerz und Wut sind der Preis der wirklichen Freude, der Euphorie des Lebens! Durch unser ungläubiges Verlangen nach einer Unsterblichkeit, die es in diesem Leben, auf dieser Welt, nicht gibt, wurden wir süchtig und manipulierbar. Wir wählen diejenigen Parteien, welche uns »die Angst zu nehmen« versprechen – und liefern uns ihnen somit erst recht wieder aus. Anstatt an uns und unsere unbändigbare Kraft zu glauben. Wir lassen uns via »uns schützendem« Gesetz verbieten, Marihuana zu rauchen – und übersehen, dass genau dadurch unser Bewusstsein erweitert und die Ängste kleiner werden würden. Kiffen macht mutig und frei im Geist, Alkohol stumpf und dumm. Klingelt’s?

Wir brauchen spirituelle Kinder, Jugendliche, Eltern, Frauen und Männer – statt egoistischen, ängstlichen, impotenten Narzissten – im Zentrum unserer europäischen Gesellschaft. Wir müssen gerade jetzt erst recht lernen, ans leidenschaftliche Leben zu glauben, an Gott und an ein »Höheres Ganzes«. Uns an den Werten der Liebe orientieren. Zu sehen was ist statt was nicht ist. Träume, Räusche und Phantasien zu schüren, statt den Hass, die Angst und die Feindbilder.

Mit den selben Methoden, die uns in die Krise und in den Krieg geführt haben, werden wir nicht wieder heraus kommen – sondern tiefer und tiefer hinein in den klebrigen, dunklen Sumpf des Entmenschlichten. Wir müssen Konflikt und Friedensarbeit neu verstehen, neu definieren. Terrorismus und Rechtspopulismus sind süchtig nach ängstlichen Gesellschaften. Sie nähren sich aus unserer enormen Angst vor dem Tod, vor dem Verlust von Bequemlichkeit und Sicherheit.

Stell dir vor es ist Terror – und keiner fürchtet sich.
Stell dir vor, wir weigern uns dein Feind zu sein.
Stell dir vor, wir lieben uns in die Knie.
Stell dir vor, wir werfen tonnenweise MDMA und THC Bomben ab.
Stell dir vor, wir sind einfach still.

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