Die wirklich coolen Typen umarmen Flüchtlinge.

Ambivalenz ist das treffende Wort für das aktuelle Gefühlswirrwarr. Was ist richtig was ist falsch, wer hat recht, was ist fair? Was sagt das Hirn was der Bauch und was das Herz  – und vor allem: was sagt die Partei, die Ideologie – und was der Freundeskreis? Vertrauen und Mut versus Angst und Feigheit.

Unsere vielen vielen Regeln entlasten uns von der Verantwortung, wirklich in Beziehung zu gehen, wirklich zu vertrauen. Wer will tauschen, mit dem Flüchtling samt Sitzplatz im Zug? Dem Sitzplatz, den er mir gerade wegnimmt, auf meiner seit Wochen geplanten Geschäftsreise. Ich beschreibe provokant, was auch in mir ist – und was meine Ängste mir raten: Ich hätte gerne wieder mehr Ordnung und Kontrolle – damit ich mich wieder beruhigen kann. Ich glaube, dass wir in diesen Tagen viel lernen, viel Herzensbildung passiert – jedoch nicht bei allen. Es passiert auch das Gegenteil: Herzensverhärtung. Rollladen zu, Schoten dicht. Abwehr, nein und raus. Alles soll sofort wieder so werden wie es e niemals war.

Es geht um die Balance: wie wenig Regeln und Ordnung halten wir – im Verhältnis zu unserer Vertrauens- und Beziehungsfähigkeit aus, ohne in die Panik zu kippen. Jeder für sich individuell anders austariert, ebenso kollektiv miteinander als Menschenschwarm verbunden: wieviel Chaos verträgt die wiener, die österreichische, die europäische und die Welt Gesellschaft, die Kultur? Wieviele Regeln und Struktur, Überblick glauben wir zu brauchen? Und woher wissen wir das?  Das ist ein dynamischer Prozess. Kein statischer. Da ändert sich täglich vieles in uns, wir lernen.

Vertrauen entsteht durch erlebte „Nicht – Enttäuschung“ – Misstrauen nährt sich eben umgekehrt aus erlebten Enttäuschungen. Primär subjektiv, da spielt nur wenig Logik mit. Und besonders wenn die Situation hoch komplex und nicht mehr begreifbar ist – so wie das aktuelle Massenphänomen – neigen wir zur Vereinfachung und Verallgemeinerung und hängen unsere Gefühle und Meinungsbildung an Einzelerlebnissen auf. So wie ich mich vorgestern am Bild des mit Victory Zeichen am Polizisten vorbeigehenden Mannes.

Herzensbildung, Mutproben, Berührung mit dem Fremden und Erlebnisse von Freude und Nichtenttäuschung helfen uns allen – jetzt. Aber auch die Erlebnisse von Enttäuschung helfen – denn Weiterentwickeln, eigene Grenzen und Erwartungen loszulassen, zu lernen ist kein Fehler – sondern eine Riesen Chance für uns alle. Auch aus rein egoistischer Sicht: Geht es doch darum, glücklich zu sein, seine Angst vor dem Unbekannten in Freude auf das Zukünftige, kribbelnd Neue zu verwandeln. Wer wirklich cool und leiwand sein will, kann sich jetzt beweisen: Als mutig, berührungsfähig und führungsstark. Wir sind mitten drin im Chaos – also wird Vertrauen und Beziehungsmut statt Regeln und Geld zur neuen Hauptwährung. Alles in die größte Kraft, ein Leben für die Leidenschaft. Wenn es einfach wäre, könnten es ja die Anderen machen! Österreich ist frei und fähig – genau dazu. Gerühmt, geprüft, geliebt.

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