Die eine Ziege, die eure Sprache spricht.

Angstmonopol? Nur einer versteht euch? Nur einer spricht eure Sptrache? Er: Der Einzige. Blauäugig. Fesch. Geht’s noch? Also: der größte Volltrottel Österreichs muss doch nachrechnen können, dass die Behauptung „ein Einziger“ ned stimmt. Seit Wochen würgt es mir den Frühstückssmoothie hoch, wenn ich an diesen Narzissmusplakaten vorbei muss. Eifersüchtig bin ich – sonst nix. Ich versteh euch doch auch! Nicht nur er allein. Wieso kann er das ungestraft behaupten? Jetzt picken meine eigenenPlakate in ganz Wien. So! Ich versteh euch auch. Geist Erfahrer. Warnduscher. Geh! Punkt.

Mir fällt auf, dass sich kaum noch wer von euch die Mühe macht, das schwarze Adolf Bärtchen auf die Oberlippe des feschen Burschen zu kritzeln. Wir haben diesen Schwachsinn längst akzeptiert. Vielleicht bekritzelt ja jetzt wer meine klugen Sprüche!?

Ich bemerk – weil ich ja aus selbstlosen Gründen der Demokratierecherche oft beim Wirten  sitz – dass sich die Stprache verschärft. Der „Ich hab ja nix gegen Ausländer“ Vorsatz mehr und mehr weggelassen wird – und direkter verbal hingeprügelt wird. Und ich bemerke – weil ich es bemerken will – dass sich was rührt auf der linken Seite. Dass rot blaue Profilbilder bleiben, dass „Freundschaft“ wieder an Wert gewinnt.

Angst macht dumm. Freude beflügelt.

Ja: Viele von uns scheissen sich in diesen Zeiten an. Vor der eigenen Zukunft. Wirtschaft im Arsch, Rettungsschirm des Euro liegt schlaff am Boden. Angst. Schmerz. Wut. Ich auch.

Begonnen hat für mich alles mit der damaligen Pensionsreform: Da flog die Lüge des Wohlfahrtsstaates auf: Nein – deine Pension ist nicht gesichert! Nein – es ist nicht klug heute wie deppad zu hackeln, weil du dich nicht mehr auf deinen staatlich gesicherten Ruhestand verlassen kannst. Nein – es gibt keine grenzenlose soziale Sicherheit. Nein – der Staat  kann dir deine Angst nicht abnehmen. Du fürchtest dich zu Recht und allein.

Ich erinnere mich noch gut an diese eine ZIB – am Abend des Steuerreformbeschlusses. Das muss fast zwei Jahrzente her sein. „Jetzt tut’s weh – und ich verspreche ihnen, dass diese Belastungen in zwei Jahren wieder zurück genommen werden.“ – sagte der (wer auch immer das war – Ferdinand Lacina? Oder schon der KHG?) Finanzminister betroffen in die Kamera. Ich hab ihm das gegelaubt. Damals. Das war eine Lüge. Die Wirkung dieser Lüge: Demotivation. Frust. Verdrossenheit. Angst. Auch in mir. Wenn ich meine Solidarität und Moral mal sein lass – ich bin stink sauer. Ich bin wütend. Ich bin frustriert und angefressen. Ich habe längst auf Ego und Einzelkämpfermodus umgeschalten. Tief in mir drin.

Mir Freude zu besorgen – das ist mein eigenes Problem. Freude ist Mangelware, wird am Schwarzmarkt der Social Entrepreneurs, Yogagruppen und Esoterikszene gehandelt. Ab und zu in der Kirche. Spiritualität ist in Österreich sowieso Mangelware, dieses Feld hat sich die Brau AG eingenäht. Glücklich die, welche „Familie“ und „Freundeskreis“ als Freudenquelle haben. Meist gibt’s Freude nur für Geld, so wie ursprünglich im Freudenhaus. Angst bekomme ich Tag ein Tag aus frei Haus geliefert. Medien sei Dank. Ich versteh jeden Kiffer. Freude und Leichtigkeit zum Einatmen. Yeah!

Ich habe meine Musik, mein Konzerte, meinen Wald. Gott sei Dank. Und ich hab mir selbst gelernt, selbst für meine Freude Verantwortung zu übernehmen.

Die Griechinnen tanzen uns den Widerstands-Sirtaki vor. Einem Nackten kannst nix nehmen. Aber der Nackte kann dir den nackten Arsch zeigen. Das freut dann die Nackten. Mit dem Rücken zur Wand. Zugleich schwämmt es genau da – am südlichsten Zipfel Europas – die Kriegs- und Wirtschaftsflüchtlinge der anderen Welt an. Ihnen zu helfen freut auch viele. Jedoch nur die, welche gelernt haben dankbar zu sein, demütig. Alle anderen, die nicht gelernt haben ihr Leben und ihr Glück selbst in die Hand zu nehmen, stecken fest in ihrer Angst. Ein Ertrinkender hilft dem anderen Ertrinkenden nicht gerne.

Und dann kommt der Eine daher. Und nährt die Angst. Nicht die eineZiege ist das Problem, sonder der Mangel, das Vakuum, an freudigen, mutigen Vortänzern. Vorbildern.

Deshalb singe ich: um mir und denen die meine Musik hören wollen Mut einzuschenken. Und Freundschaft. Wir schaffen das. Wir sind viele. viel mehr, als die EineZiege gerne hätte.

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