Der Affe fällt nicht gern vom Baum.

So schön hab mas, da in unserem Östereich. Viel gerühmt, geprüft, geliebt.

Gerühmt: Der Held! Wie geil sind wir denn!? Berge, Ströme, Döme, Äcker, Töchter, Söhne, Hämmer. Zukunftsreich. Wir singen es laut – wir sind gerühmt, Helden. Der Held. Jetzt sogar Heldinnen und Helden. Wir können alles, beschenkt mit Potenzial. Naturkraft. Bauwerke. Durchströmt. Wir sind wichtige, gewichtige Menschen. Große Söhne, große Töchter, Mütter, Väter wohl ebenso. Also fähig, besonders, bewundert. Von wem, frag ich mich? Wer findet uns, mit dem Blick von außen, so besonders. Wer gerühmt uns? Was ist so gerühmt an uns Töchern und Söhnen? Was sind unsere Heldinnentaten? Weltbedeutende, meine ich. Wer braucht uns? Wer ehrt uns!? Wofür? Was tun wir für die Hilfsbedürftigen dieser Welt? Wenn uns mal jemand braucht – wirklich braucht! – verkriechen wir uns in unserer unrühmlichen Minderwertigkeit und jammern uns einen ab? Um dann national stolz die Hymne zu singen. Und uns abzukapseln, zu wimmern, dass wir ja selber Hilfe brauchen. Der Duden ist bei dem Begriff „gerühmt“ übrigens mit seinem Latein am Ende. Egal. Wir sind es. Jeah! Helden ohne Eier, ohne Pferd. Ohne Taten.

Geprüft: Das Opfer! Umfedet, umstritten, dem Erdteil in Mitten (oida, wie kann auf einer Kugeloberfläche ein Mini Binnenland die Mitte einer ganzen Kugel sein!?!) – einem starken Herzen gleich. Also die Pumpe des Weltgeschehens. Jetzt kommt’s: seit frühen Ahnentagen, hoher Sendung Last getragen!?!? Was für eine Ansage! Da steckt die Berufung drin. Hohe Sendung. Wo bitte ist diese Sendung bei uns angekommen? Weiss wer was davon? Bitte melden. Ja: Österreich ist frei. Wofür!? Was ist unser Sinn? Wer braucht uns mit unseren heldenhaften Fähigkeiten dringend?  Vielgeprüftes Österreich. Zentralmatura, oder was? Also entweder haben die restglobalen Banausen und Weltmächte es nur noch nicht gecheckt – oder wir haben einen kollektiven Selbstübeerschätzungs-Opferkomplex. Wie können wir das stolz als unsere Hymne singen – uns als das Herz, den Mittelpunkt der Welt bezeichnen, um den sich alle anderen angeblich neidig streiten… und es dann wagen auch nur einen einzigen heimatsuchenden Menschen dieser – unseren – Welt abzuweisen? Als ob das Herz in meinem Körper wählerisch sein darf, welches Blut es pumpt und welches es arrogant wieder weg schickt?! Herzkasperl. Wer bitte, streitet sich um uns? Wer!? Wir streiten uns. Das schon.

Geliebt: Der Star! Mutig in die neuen Zeiten. Einen Scheissdreck sind wir mutig. Lassen Mitmenschen in Zelten hausen, zitternd vor Angst sie nahe an uns ran zu lassen. Unsere leerstehenden Einfamilienhäuser zu öffnen und Unterschlupf zu gewähren. Frei und gläubig sieh uns schreiten. Schreiten? Bewegen? Vielleicht sogar auf Fremde zu gehen? Aktiv heran gehen, an die schreienden Probleme unserer Nachbarn? Wer soll uns lieben, so wie wir auf und für andere wirken? Und wer ist noch so richtig gläubig? Frei ja, aber gläubig? Gottesgläubig oder gar spirituell? Selbstverliebt vielleicht, aber nicht liebend. Und wenn doch: Was folgt daraus? Was ist unser Auftrag – jetzt? Arbeitsfroh und hoffnungsreich. Ohne Worte. Motiviert würde man heute sagen, visionär arbeitend, an dem, was die Welt – die uns ja so liebt – braucht. Positiv und voll mit Hoffnung, Glaube an eine gute Zukunft. Einig lass in Jubelchören, Vaterland dir Treue schwören. Da ist er plötzlich wieder, der Vater, der Eine, der Einzige. Hat sogar die Modernisierung der Bundeshymmne überlebt. Ohne Mutterland. Wem bitte, soll ich die Treue schwören? Worauf? Mit welchem Sinn, welcher Berufung, welcher Aufgabe? Wozu? Ein Star, der viel geliebt sein will – aber von wem? Warum? Welche Taten geben den Anderen – den Fremden, also den Ausländern – Grund, uns zu lieben!??

Gerühmt, Geprüft, Geliebt. Helden, Opfer, Stars. Österreich. Es ist Zeit! Höchste Zeit. Jetzt. Oder nie. Auf zur kollektiven Psychotherapie. Wir haben uns verirrt. Die gute Nachricht: Europa, die Welt – braucht uns, wartet auf uns.

 

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