You like me, i like You!

 

Deutlich einfacher ist’s, auf Facebook zu kommentieren, fremde links zu teilen, zynische oder sogar witzige Kommentare zu posten – als selbst kreativ zu schreiben. Nach fünfjähriger Blogger-Pause bin ich also wieder da. Und merke jetzt so richtig, wie deppad reaktiv stumpf mich diese fünf Jahre Facebook-Gafferei werden ließen.

Es ist so bequem gewesen. Ein Daumen da nach oben, ein Foto dort hochgeladen, eine Veranstaltung zugesagt – wissentlich, dass ich ziemlich sicher niemals hin gehen werd. Egal. Hauptsache dabei. Facebooksüchtler. Ja. Ich bin einer. Am meisten süchtig nach diesen roten Punkterln und Zahlen links oben – wer mag mich, wer sieht mich, wer kommentiert mich, wer liebt mich? Wer spielt mit mir?

Es gab Phasen, da schaffte ich es, den IPhone-Akku bis Neunuhrdreissig leer zu saugen. Es gab Situationen, da rannte ich gegen einen Laternenmast. Es gab Momente, da beendete ich mitten im Satz das Gespräch mit meinem Gegenüber – checkte mein Facebook und versank im pseudosozialen Paradies. Verlockend – besonders für mich als Musiker und Coach, was Facebook alles kann: Einladen, Musik verbreiten, Veranstalten, Vernetzen, Aussenden. Schmäh führen und flirten sowieso…

Aber: was unternehme ich alles nicht, weil ich mich auf diese Superwunderwuzzi-Software verlasse? Welche Kennenlernen, Besuche, Reisen, Kaffehaustreffen fanden in diesen fünf Jahren niemals statt – weil ich in dieses vertrottelte Kastl hinein gegafft hab? Süchtig nach gesehen sein, nach Impulsen von Außen, nach Kommunikation. Bestens versorgt mit dieser Überdosis Sozialkontakt. Leider nur geruchlose Bits and Bites. Was, wenn der Herr Zuckerberg seine Macht ausspielt? Wir sind ausgeliefert, wenn wir uns primär über dieses eine monogame System verbinden. Und totalüberwacht sowieso, jeder Privatsphäre entledigt. Mir taugt diese ohnmächtige gratis Abhängigkeit täglich weniger.

Also blogge – schreibe – ich ab jetzt wieder. Darüber, was mich bewegt. Das, was in mir sitzt, was ich erlebe, beobachte. Wovor ich mich fürchte, was mir weh tut, was mich zornig macht. Vor allem jedoch darüber, was mich freut, begeistert, motiviert. Was mir Hoffnung macht und Mut – in einer Welt, die eine dringende Richtungsänderung braucht. Hin zu uns, raus aus Facebook.

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